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Akkordeons von A-Z - ein Lexikon

Der Bajan stellt die höchste Stufe der russisch-sowje­tischen Akkor­deonbau­tradition dar. Der tradi­tionelle Bajan besitzt 52 Diskant- und 100 Bass­knopftasten. Tonumfang und die Anzahl der Knöpfe richtete sich jedoch schon bald nach europäischen Vorbildern. Berühmt sind die mühsam per Hand ausgefeilten Stimmplatten, deren stimmliche Qualitäten allerdings unbestritten sind. Mit der Flut sowjetischer Spitzensolisten breitete sich auch dieses Instrument rasch aus. Der Name bezeichnet inzwischen auch die Spitzenmodelle vieler Hersteller.

Balg. Beim Akkordeon, wie bei allen anderen Balginstrumenten, dient ein Faltenbalg für den benötigten Spielwind. Er ist Mittelstück zwischen zwei festen Instrumententeilen. Befestigt ist er in der Regel mit Steckstiften. Der Balg besteht aus hochwertiger Lederpappe. Diese ist wiederum beschichtet mit reißfestem Papier, darüber hinaus entweder mit Leinen, Satin oder Linon. Somit soll er möglichst vor äußeren Einflüssen, vor allem Feuchtigkeit geschützt werden.Für die Lederecken wird Ziegenleder verwendet. Die Balgeckenschoner sind vernickelt oder verchromt, mitunter aber auch versilbert oder vergoldet. Zum Schutz des Balges werden die Balgfalten mit Kunstlederstreifen beklebt. Die Farbe ist jeweils auf das Instrument, oder mit dem Endkunden abgestimmt. Aufgrund der verarbeiteten Materialien gehört der Balg zu den Verschleißteilen eines Akkordeons. Bälge kosten je nach Instrumentengröße und Qualität zwischen 100,- bis 250,- Euro.

Das Bandoneon wurde seit 1846 von H. Band auf Grundlage der Konzertina entwickelt. Es unterschied sich zunächst nur aufgrund der verschiedenen Zuordnung der Töne. Im folgenden wurde es ständig vergrößert und breitete sich in ganz Deutschland aus. Im Zuge der Entwicklung des Akkordeons wurde das Bandoneon nach dem 1. Weltkrieg zunehmend verdrängt. Unersetzbar war und ist es als Begleitinstrument des argentinischen Tangos. Die Musik von Komponisten wie Astor Piazzola machte das Bandoneon unsterblich. Es erlebt momentan auch in Europa wieder eine Renaissance.

Bassmechanik. Es kann angenommen werden, dass der Name »Akkordeon« auf die Einführung und Verbreitung des chromatischen und tonartunabhängigen Bassteils zurückgeht. Aus jeweils nur 12 Tönen einer Oktave werden mittels Mechanik durch nur einen Knopfdruck die einzelnen Akkorde zusammengesetzt. Ein System von Walzen, Mitnehmerstiften und Schiebern sorgt für das gleichzeitige Öffnen verschiedener, dem Akkord entsprechenden Ventilklappen. Beim Bau und der Konstruktion ist entscheidend, dass möglichst wenig Reibung entsteht. Hochwertige Mechaniken sind mittels Kunststoff, Leder und Filz abgedämpft, die Mechanikteile bestehen jedoch weitgehend aus Metall. Gute Bassmechaniken funktionieren geräuscharm, sie sprechen präzise und direkt an. Schlechte Mechaniken klappern und haben oft ein gewisses Spiel. Mechaniken aus Kunststoff (Weltmeister) erweisen sich als weniger langlebig. Gute Bassmechaniken funktionieren ein Akkordeonleben lang. Bei geringerer Qualität verschleißen die Schieber bzw. die sie führenden Bahnen. Reparaturen kann ausschließlich der Fachmann beheben.

Ein Cassotto-Akkordeon ist äußerlich nicht als ein solches erkennbar. Die Unterschiede werden unter dem Diskantverdeck sichtbar. Das Cassotto wurde im Wege der Klangkultivierung in den fünfziger Jahren entwickelt. 16' und 8'-Chöre werden um 90° gewendet im Diskantgehäuse montiert. Der Luftstrom wird durch einen mittig angeordneten Tonkanal geleitet. Diese Konstruktion führt zu einer Verstärkung der tieferen und einer Dämpfung der hohen Tonfrequenzen. Ergebnis ist ein warmer, weicher Klang. Allerdings ist der Bau solcher Akkordeons im Vergleich zu einfachen Serieninstrumenten wesentlich aufwendiger und folglich teurer. Die Ventilklappenhebel sind verzweigt, was höchste Sorgfalt beim Abdichten der Ventilklappen erfordert. Auch beim Stimmen der Instrumente entsteht ein höherer Aufwand, da die Stimmstöcke zum Bearbeiten der Stimmzungen jeweils aus- und wieder eingebaut werden müssen. Die Mühen bei der Herstellung und der höhere Preis werden allerdings durch die hervorragende Klangqualität dieser Instrumente mehr als aufgewogen. Die meisten Hersteller statten nur ihre Spitzenmodelle mit dem Cassotto aus. Es gibt aber auch Beispiele für den Versuch, den Cassotto-Effekt mit einfacheren Mitteln zu erzielen. Bei den Modellen der Firma Weltmeister/Harmona wird in Serieninstrumente unter der Verdeckhaube eine Aluminiumplatte über die hinteren Ventilöffnungen justiert. Man nennt dieses Verfahren »Füll-« oder »Verdeck-Cassotto«. So wird ansatzweise ein Cassotto-ähnlicher Klang erzeugt. Diese Methode wurde bereits in den Vorgängermodellen »Consona« angewendet. Die Qualität der früher auch produzierten Spitzenmodelle Supita und Cantus wird dabei aber nicht erreicht.

Converter. Im Wege der Entwicklung des Akkordeons zum Konzertinstrument geriet die übliche Standardbassbegleitung in zunehmender Weise zum Hindernis. Die Schwierigkeit auf den vorhandenen Einzeltonreihen (Grundbass und Terz) Melodien zu spielen führte dazu, dem Spieler anstatt oder zusätzlich zum Standardbass einen Melodiebass zur Verfügung zu stellen. Die zum Umschalten dieser beiden Varianten dienende Mechanik wurde Convertor benannt.

Helikonbass. Ungewöhnlich große Stimmplatten mit langen Stimmzungen. Sie erzeugen besonders markante, kräftige Bassklänge.

Kauf eines Akkordeons. Überlegen Sie möglichst frühzeitig, was Sie mit ihrem Akkordeon beabsichtigen. Lassen Sie sich ausgiebig beraten und nicht ohne weiteres von angeblichen Schnäppchen leiten. Ein Akkordeon kaufen Sie nicht alle Tage. Vergleichen Sie qualitativ unterschiedliche Instrumente und lassen Sie sich die Unterschiede zeigen. Billig gekauft ist oft doppelt gekauft. Vergessen Sie nicht den Service und die Garantieleistungen! Jedes Instrument kann einmal einen Defekt haben. Dann ist schnelle und unkomplizierte Hilfe vom Fachmann wichtig. Denken Sie an den Werterhalt eines Instruments. Ein gutes Akkordeon hat nach zehn Jahren noch den halben Kaufpreiswert. Vergleichen Sie dies mit anderen Kaufsachen! Lehrer sind hilfreich und oft unentbehrlich bei der Beratung und Auswahl. Die Entscheidung sollte jedoch der Kunde treffen. Werden Sie zum Kauf einer bestimmten Marke oder zu ungewöhnliche Kaufmodalitäten gedrängt, kann auch ein finanzielles Interesse dahinterstehen. Denken Sie auch hier an die Garantie, den Wiederverkauf und die Betreuung! Vorsicht bei gebrauchten Instrumenten. Lassen Sie sich ein Zertifikat über den Zustand des Instruments geben. Immer wieder werden auch gestohlene Instrumente angeboten. Beliebt ist auch die Geschichte vom aufgelösten Orchester, mit der gewiefte Händler alte Akkordeons überteuert verkaufen wollen.
Sie sind gut vorbereitet. So finden Sie zu Ihrem Akkordeon!

Register. Registerprobleme sollten nur vom Fachmann behoben werden. Die Registermaschine dient zum schnellen Einstellen bestimmter, vorgegebener Chor-Kombinationen, also Klangfarben. Mittels der Registermaschine werden Lamellenbahnen verschoben, die ihrerseits die Chöre öffnen oder schließen. Dies sollte immer leichtgängig funktionieren. Wenn nicht, sollte nicht etwa mehr Kraft zum Einstellen der Register verwendet werden. Das Register kann aufgrund einer Vielzahl von Möglichkeiten nicht mehr richtig arbeiten. Um das Abbrechen einzelner Teile zu verhindern, sollte umgehend eine Fachwerkstatt aufgesucht werden.

Schwebeton. Minimale Differenz zwischen Grundtonreihe und Tremoloreihe. Es entsteht ein wellenförmig schwebender Ton. [siehe Tremolo]

Stimmplatten bilden das Herz eines jeden Akkordeons. Die Qualität der Stimmplatten lässt sich durch keine andere bauliche Maßnahme kompensieren. Man unterscheidet maschinell gefertigte Serienstimmplatten von hochwertigeren »Hand-« und »Halbhandstimmplatten«. Ausschlaggebend ist die in der Handfertigung gegebene höhere Maßgenauigkeit und Präzision, mit denen geringere Luftspalte erzielt werden können. Ergebnis sind bessere Ansprache und geringerer Luftverbrauch. Tonzungenmaterial ist kaltgewalzter Spezialfederstahl. Seine Qualität entscheidet gemeinsam mit dem Plattenkörper, meist Aluminiumlegierungen, und der Nietqualität über die Klangeigenschaften und die Stimmhaltung der Stimmplatte. Um eine lange Lebensdauer der Stimmplatten zu erreichen, sollten Sie nur vom Fachmann bearbeitet werden, um den Materialabtrag so gering wie möglich zu halten. Oft werden die Stimmplatten nicht mehr vom Akkordeonhersteller produziert, sondern in auf die Stimmplattenherstellung spezialisierten Betrieben eingekauft. Beispiele sind die Marken Salpa, Cagnoni, Artigiani und Antonelli.

Stimmung des Akkordeons. Akkordeons sind temperiert gestimmt. Je genauer die Schwingungsfrequenzen der einzelnen Tonzungen der temperierten Skala entsprechen, desto besser ist die Stimmung des Instruments. Die Oktavtöne der verschiedenen Chöre sollen stets rein klingen. Hier haben Sie die beste Möglichkeit die Stimmung Ihres Instrumentes zu überprüfen. Davon ist die sogenannte Schwebetonreihe zu unterscheiden. Diese weicht um einige Hertz von der Grundtonreihe ab, entsprechend der gewünschten Schwebeton- oder Tremolostärke. Immer verbreiteter wird das sogenannte Unisono. Hier verschwinden die Schwebungen völlig. Um die Tonhöhe, und damit die Stimmung der einzelnen Stimmzungen zu verändern, wird jeweils am Ende der Stimmzunge, oder am Stimmzungenfuß Material abgetragen. Dies erfolgt mit Spezialwerkzeugen und sollte nur vom ausgebildeten Stimmer ausgeführt werden. Nur er ist in der Lage aufgrund seiner Erfahrung schonend mit der Stimmzunge umzugehen. Folglich haben Sie länger Freude an Ihrem Instrument. Vorraussetzung für eine gute Stimmung sind der intakte Zustand der Stimmplatten, Tragfähigkeit des Wachses und funktionierende Ventilleder.

ungefähre Preise für Akkordeonstimmungen:
72 Bass/III-Chor   140,- Euro
96 Bass/IV-Chor   210,- Euro
120 Bass/IV-Chor   230,- Euro
120 Bass/IV-Chor Cassotto   280,- Euro
120 Bass/IV-Chor Convertor   320,- Euro

Die Tastatur, auch Klavis, gehört zu den die Qualität eines Instruments bestimmenden Merkmalen. Kunststofftastaturen sind preiswert, verlieren aber auch schnell ihre Eigenschaften. Sie verstärken die Klopfgeräusche, haben in der Regel nur einfache Führungen und verschleißen relativ schnell. Qualitätstastaturen sind auf Holz geleimt und haben Metallführungen. Diese sind verschleißarm, können aber auch nachjustiert werden. Außerdem verringert sich das Tastengeräusch erheblich. Weiteres Qualitätsmerkmal ist ein möglichst geringer Tastenhub. Er sorgt für schnelles und präzises Spiel und ist nur bei hochwertiger Verarbeitung der Instrumente möglich.

Tremolo. Die Klangfarbe des Akkordeon entsteht durch das Zusammenschalten der Grundtonreihe (8') mit einer identischen, aber um wenige Hertz höher gestimmten zweiten Grundtonreihe. Durch die Überlagerung der Schallwellen kommt es zum typisch schwebenden Klang. Je höher die Abweichung der oberen Grundtonreihe, desto schneller wird das Tremolo. In Cassotto-Instrumenten wird dagegen nur ein minimaler Tremoloeffekt gewünscht. Es entsteht der sogenannte Schwebeton.

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